SecurPharm – Mit Sicherheit daneben?

 

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Achtung: Dieser Artikel gefährdet Ihre Gesundheit und ist daher nur von Apothekern zu lesen, die ihr aktives Berufsleben quasi schon hinter sich haben! Die ApBetrO ist noch nicht ganz verdaut, da arbeitet unsere Berufsvertretung schon an neuen Schikanen: 2014 steht ein Rechtsakt der Europäischen Union bevor, mit dem ein System zur Sicherung des Arzneimittelverkehrs und zur Abwehr von Fälschungen über die legale Lieferkette gefordert wird. Tja, da rächt es sich, wenn jeder vollständig unfähige Politiker nach Europa entsorgt wird …Und so müssen wir nun einen Schutzschild gegen die vielen Fälschungen, die stets und ständig durch lege artis arbeitende deutsche Apotheken in die Bevölkerung gelangen, aufbauen. Falls es jemand nicht gemerkt hat: Jährlich dringen über die legale Lieferkette (also Hersteller bzw. pharmazeutischer Unternehmer – Großhandel – Apotheke) doch tatsächlich gefälschte Arzneimittelpackungen in fast schon zweistelliger Zahl (genau neun. In Ziffern: 9) in die Bevölkerung, wie eine polizeiliche Kriminalstatistik von 2010 aufweist! 9 von 1,4 Milliarden Arzneimittelpackungen, das sind fast 0,00000000014 %! Wenn man dann noch mit einer möglichen zweistelligen Dunkelziffer rechnet, ist nicht nur die nationale Sicherheit massiv bedroht! Gegen diese existenzielle Gefahr gibt es zum Glück einen Verein, der in einem sonst eher seltenen Schulterschluß nun die ABDA, den BAH (Bundesverband der Arzneimittelhersteller), den BPI (Bundesverband der pharmazeutischen Industrie), Pro Generika, den VFA (Verband der forschenden Pharma-Unternehmen) und den Phagro (Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels) vereint, um ein eigenes, „sicheres, bezahlbares und vor allem leicht zu handhabendes System“ (O-Ton securPharm e.V.) zu entwickeln, das uns vor diesem vielen Bösen schützt. Und gut auch, dass wir Apotheker wieder mal in die Bresche gesprungen sind, nachdem Pro Generika aus diesem Projekt ausgestiegen ist und mit der Teilnahme der WuV (Werbe- und Vertriebsgesellschaft Deutscher Apotheker) die klaffende Finanzlücke von ein paar Hundertausend Euro geschlossen haben.

Viel weniger, lediglich ein paar Tausend Euro, darf jede Apotheke dann noch einmal für die neuen Scanner am Wareneinang und an jeder Kasse zahlen, wenn das derzeit geplante System mit der so gennanten „end-to-end-Lösung mit finaler Verifizierung“ durch einen 2D-Data-Matrix-Code eingeführt werden sollte. Dazu kommen noch Lizenzgebühren, eine High-Speed-Datenleitung an jedem Arbeitsplatz sowie der eine oder andere neue Rechner, falls die neuen Scanner dank anderer Anschlüsse nicht mehr an den alten passen. Wer noch Geld übrig hat, kann also schon mal entsprechende Aktien der Hardwarefirmen kaufen…

Wir wollen nicht nur meckern, denn als Apotheker sparen wir dann die Eingabe von Verfalldaten, die in dem Matrixcode bereits hinterlegt sind. Schade, dass das System nicht auf jeder Packung drauf sein wird, denn es gibt doch tatsächlich Arzneimittel, die seltener gefälscht werden und dank einer weißen Liste dann von der Codierung ausgenommen werden. Daneben gibt es auch OTC-Arzneimittel (für die das System derzeit noch nicht gelten soll), die aufgrund des Risikos dann doch gecheckt werden. Und dann gibt es noch ganze Bereiche wie den Versand oder das Verblistern, wo sich die ganze Idee nicht kontrollieren lässt. Aber das ist ja egal.

Für die Patienten, vor deren Augen und Ohren dann die Arzneimittel verifiziert werden sollen, kann man jedenfalls ein kleines Happening draus machen: „Passen Sie auf, gleich macht es „piep“ und Ihre Packung ist echt!“ Außerdem gibt es Gerüchte, dass die Kammern und Verbände schon erste Entwürfe für Kommunikationsseminare sowie ein Curriculum für den Fachapotheker „Arzneimittelsicherheit bei sicheren Arzneimitteln“ in der Schublade haben. Da kann man sich dann wieder selbstbefriedigen. Befriedigt dürfte auch der Großhandel sein, denn die lästigen Verhandlungen über Retourenquoten gehören dann der Vergangenheit an. Eine einmal ausgebuchte Ware kann wohl nicht mehr in die Vertriebskette zurück. Damit entfallen auch die lästigen Ringein- und -verkäufe mancher Apothekenkooperationen und das so unsichere Ausfüllen von Kleinmengen aus Großpackungen, um den Patienten mal eben schnell mit seinem Antibiotikum zu versorgen oder – moralisch ja völlig verwerflich – die Abgabe mehrerer kleiner Packungen zum günstigen Preis der Großpackung, damit der Kunde nicht wiederkommen muss! Jedenfalls, wenn man lege artis arbeiten möchte…

Ich „freue“ mich jedenfalls schon auf den Tag, an dem es bei einer Packung mal nicht „piep“ macht und Zoll und Polizei mich in eine Gummizelle abführen. Nebenan betreibt der Kollege dann lustig Versandhandel weiter (Apotheker vor Ort betrügen Patienten! Keine gefälschten Arzneimittel im Versandhandel entdeckt!). Vielleicht sollten wir auch den ABDA-Etat für Öffentlichkeitsarbeit deutlich erhöhen (so im kleinen einstelligen Millionbereich vielleicht), um der Bevölkerung diese wichtige Errungenschaft bekannt zu machen: „Kauft keinen Spinat mehr ohne Blub, keine Arzneimittel mehr ohne piep!“.

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