Drei Fragen der DAZ an die Listenführer

Hier findet Ihr den ganzen Text unserer Antworten für die drei Fragen der DAZ an die Listen(führer).

1.  Welche drei größten Herausforderungen für die Berliner (bundesweiten) Apotheker stehen aus ihrer Sicht in diesem Jahr an?

Ganz kurz würde man wahrscheinlich „Zeit, Personal und Planungssicherheit“ oder „securPharm, Rahmenvertrag und Spahn-Paket“ nennen, aber das wird der ganzen Problematik nicht gerecht. Die Zahl der Herausforderungen, vor denen wir Apotheker stehen, nimmt quasi von Jahr zu Jahr zu, egal ob wir das bundesweit oder nur auf Berlin bezogen betrachten.

Nicht nur, aber vor allem in den Apotheken haben wir mit einer stetig zunehmenden, teilweise irrsinnigen Bürokratie zu tun. Kaum haben wir die Datenschutzgrundverordnung und die Kassennachschau irgendwie verarbeitet, stehen securpharm und neuer Rahmenvertrag vor der Tür, „garniert“ mit Brandschutzhelfern, neuen Verpackungsmaterial-Richtlinien, Hilfsmittelanträgen und Schädlingsbekämpfungsmittel-Schulungen. Die Lieferengpässe durch Qualitätsmängel, Produktionsausfälle und Kontingentartikel erschweren den Arbeitsalltag massiv und lassen die Apothekenteams wie auch die Kunden an vermeintlich längst vergangene Zeiten denken. Kein Wunder, sind viele dieser Probleme ja ebenfalls Auswüchse der im Gesundheitswesen stattfindenden Planwirtschaft. Diese Problematik betrifft ja nicht nur die Offizin-Apotheker. Auch Industrie und Verwaltung (Krankenkassen) sind davon betroffen. Wir müssen gemeinsam diese Probleme auch politisch viel deutlicher ansprechen und nach Lösungen suchen, die nicht in noch mehr Bürokratie und Dokumentation münden, sondern in mehr Verantwortung, mehr Entscheidungsspielräume und mehr Kompetenzen. Da kann man dann auch schon mal vor der eigenen Kammertür anfangen zu fegen und sich als Mitglied der ABDA intensiver für Vereinfachung statt Verkomplizierungen einsetzen.

Neben der Bürokratie, die wir als sorgfältig arbeitender und verantwortungsvoller Berufsstand ja irgendwie stemmen wollen/sollen/müssen, liegt dann das Apotheker-Paket des Gesundheitsministers vor uns, von dem wir noch nicht so recht wissen, ob das eine Briefbombe oder eine Luftnummer ist. Es ist ruhig um das Paket geworden, aber zu hoffen, dass es nicht ausgeliefert wird, ist auch zu wenig. Der Berufsstand braucht neue Aufgaben und Perspektiven, neue Verantwortungsbereiche und Kompetenzen, durch die sich entscheiden wird, ob wir ein attraktiver Gesundheitsberuf werden oder weiterhin Spielball anderer Player bleiben. Nur zu hoffen, dass es eine Geschenke-Box wird, die nicht von Amazon, sondern dem persönlichen Boten ausgeliefert wird, ist da zu wenig. Wir müssen Politik und Gesellschaft von der Vielfalt unseres Berufes, seiner Notwendigkeit und seinen Möglichkeiten überzeugen. Genau da sehe ich auch die Apothekerkammer Berlin in einer überaus wichtigen Funktion, die sie bisher nicht (oder nicht für uns erkennbar) erfüllt hat.

Die dritte (oder eigentlich größte) Herausforderung ist also die Weiterentwicklung unserer Kompetenzen, egal, ob es da um honorierte Medikationspläne und -analysen oder auch eventuelle neue Aufgabenfelder wie Folgerezepte oder Impfungen gehen könnte. Auch vor der zunehmenden Digitalisierung, die mit und ohne uns stattfinden wird, stehen wir bis dato ziemlich am Anfang. Vorbestell-Apps und Telepharmazie sind genauso wie das e-Rezept einige Reizworte in dieser Richtung. Wenn wir diese Themen nicht schnell selbst und sinnvoll besetzen, werden das andere für uns tun und dann wird es nicht unbedingt besser. Und dafür wird man in diesem Jahr schon den Weg ebnen müssen, auch wenn die Projekte natürlich langfristig angelegt sind. Es gibt also mehr als genug zu tun. Diese Herausforderungen können wir nur zusammen stemmen.

2. Weshalb ist angesichts dieser Themen gerade ihre Liste wichtig?

Auf den ersten Blick sehen die Ideen und Ziele aller Listen in vielen Punkten gleich aus. Die Unterschiede liegen vor allem in der Herangehensweise und im Grundverständnis einer tragfähigen, breit gefächerten Interessenvertretung. In der Allianz Aller Apotheker haben wir auch als Offizin-Apotheker keine Berührungsängste mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Berufsbereichen, denn wir empfinden die gemeinsamen Diskussionen jedesmal als sehr bereichernd. Wir profitieren alle von dem besseren Verständnis über Arbeitsweise und Aufgabenfelder anderer Apotheker, besonders, wenn sich daraus Projekte wie „Apotheke macht Schule“, „Klinik und Offizin“ oder auch das Apothekenpraktikum für G-BA-Mitarbeiter entwickeln, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen in der Klinik, in der Industrie, Verwaltung oder Hochschule helfen genauso wie die Erfahrungen von Rentnern oder Pensionären, Themen mit einem ganz anderen Hintergrundwissen zu durchdringen und neue Ideen zur Zusammenarbeit zu entwickeln, als wenn Offizin-Apotheker beispielsweise nur unter sich bleiben oder unser vergleichsweise kleiner Beruf sogar noch in „gute Apotheker, böse Apotheker“ aufgeteilt werden soll.

Wir sind damit die einzige Liste, die diese gemeinsamen Stärken seit jeher in den Vordergrund stellt und aus der Apothekerkammer eine Mitgliedsorganisation für alle Apotheker machen will, die diese Mitglieder nicht nur in die Pflicht nimmt, sondern viel mehr mitnimmt. Dazu gehören Information und Einbindung genauso wie transparente und vielfältige Berichterstattung. „Unsere“ Kammer ist nicht nur Verwalter der (Zwangs)Mitglieder, sondern als Teil der ABDA auch eine starke Interessensvertretung des Apothekerberufes an sich. Darum ist es wichtig, dass die über 60 Prozent Nichtwähler sich ihrer Verantwortung bewusst werden und wählen gehen. Natürlich am besten Liste 2. 😉

3. Sollte Christian Belgardt aus Ihrer Sicht Kammerpräsident bleiben? Möchten Sie selbst antreten?

Der Präsident oder die Präsidentin wird in Berlin ja nicht direkt, sondern von den Delegierten der neuen Kammerversammlung gewählt. Von daher haben es jetzt also erst einmal die Apothekerinnen und Apotheker in der Hauptstadt in der Hand, mit ihrer Stimme zu entscheiden, welche Liste und damit auch welche Linie sie für am geeignetsten halten, die vielfältigen Herausforderungen der nächsten Jahre federführend zu meistern. Wer nicht wählen geht, drückt damit keinen Protest aus, sondern zementiert nur den Status quo.

Für diesen Status quo steht auch Christian Belgardt, der mit seiner Liste nun zum vierten Mal hintereinander auch als Präsident antritt. Ungeachtet seiner damit verbundenen Erfahrung ist nach so langer Zeit ein Wechsel an der Spitze sicherlich wünschenswert, um neue Akzente setzen zu können, denn die Herausforderungen, die vor uns liegen, sind andere als die der Vergangenheit. Sein seit zwei Legislaturperioden gerade auch im Vorstand praktiziertes Motto „Apotheke pur“ ist jedenfalls kein zukunftsfähiges Konzept für die Apothekerkammer der Hauptstadt, in der inzwischen die Hälfte der Mitglieder nicht (mehr) in einer Apotheke arbeitet. Wir treten als Liste ja auch genau deshalb an, weil wir andere Vorstellungen von der Art und Weise haben, wie in der Apothekerkammer zusammen an den Herausforderungen der Zukunft gearbeitet werden soll. Als Listenführerin der Allianz Aller Apotheker bin ich mir der damit verbundenen Verantwortung natürlich auch bewusst, aber wer als Präsidentschaftskandidat antritt, wird sich nach dem Wahlergebnis und vor der ersten Delegiertenversammlung entscheiden.

Und hier gelangt man zum daraus entstandenen Beitrag der DAZ.