Stell Dir vor, es ist Kampagne und nichts kommt bei raus!

Ok, für uns Apotheker nicht wirklich ungewohnt. Aber haben Sie in den letzten zwei Wochen die ABDA-Kampagne „Ausgenommen von den Krankenkassen – Hände weg von meiner Apotheke!“ bemerkt? Ja? Wie oft? Und was haben Sie sich dabei gedacht? Inzwischen ist sie jedenfalls auch auf der ABDA-Homepage verschwunden.
Bei den über 40.000.000 Kontakten waren wir selber wohl jedenfalls alle mehrmals dabei. In der PZ und DAZ, aber auch in der einen oder anderen Tageszeitung konnte man die Anzeigen mit den Nadelstreifenhänden in den leeren Kitteltaschen sehen.

Unterstützt wurde das Ganze von vielen kreativen Aktionen der Mitgliedsorganisationen vor Ort. So nennt man das Durcheinander neuerdings, wenn keiner einen Plan hat und jeder macht, was er will. In Berlin wollten wir nicht so recht, auf jeden Fall keinen Klappenstreik wie anderenorts. Noch nicht mal für 5 Minuten. Also haben wir uns mit einer Faxaktion beteiligt, die immerhin bei den Krankenkassen, die die Blätter ausdruckten, ca. 10 cm Papiermüll erzeugt hat. Hatte ich ja gleich gedacht. Und wenn man zu Fasching Konfetti draus macht, bringt das Ganze sogar was. Oder die Kassen entsorgen die Faxausdrucke samt Absendern über die Retax-Stellen. (Aber: Ich habe auch mitgemacht. Allerdings mit der Faxnummer meines Mannes. Wie geschickt …)

Zusätzlich haben wir Informationsblätter an die Mitarbeiter der Krankenkassen in Berlin verteilt! Wow, das hat Spaß gemacht, morgens um 7 Uhr bei Schneefall das Haus zu verlassen und 1,5 Stunden mit 200 Blättern und zwei armen Kollegen „beladen“ den Arbeitsbeginn der Mitarbeiter einer Krankenkasse zu beobachten! Es blieb viel Schmierpapier übrig … und Zeit für interessante Gespräche mit den Kollegen.
Dennoch war es gut, dass es auch in Berlin mal ein Ventilchen für den Frust gab. Büchsenwerfen hätte es allerdings auch getan. Leider wurde aus der im Vorstand und von Kollegen (Danke, Hans-Jürgen!) angeregten Pressemeldung nichts. Der Vereinsvorsitzende hatte das wohl wieder für eine der lustigen Ideen unsererseits gehalten. So richtig auffallen wollten wir also wohl nicht. Das ist uns gelungen.

Nun haben wir ja ohnehin den Salat mit dem Spionagefall, so dass man konstatieren kann, dass die 500.000 €, die die ABDA (also uns, denn die ABDA sind wir ja alle) die Kampagne gekostet hat, garniert mit den paar 1000 € der Verbände, getrost abgeschrieben werden können. Das Thema ist jedenfalls medial erst mal ziemlich durch und wir können nur noch auf die Schiedsstelle hoffen. Irgendwann. Im Frühjahr/Sommer. Wenn man sich dann mal auf die Mitglieder geeinigt hat. Man hätte die Schiedsstelle übrigens auch schon im Sommer anrufen können. Oder mal früher verhandeln. Und das Ergebnis ist auch noch ziemlich offen. Oder weiß jemand von uns, was der DAV eigentlich als Ziel in die Verhandlung einbringen wollte, die er dann abgebrochen hat, weil die Krankenkassen nicht von 1,75 € ausgehen wollten? Ich hätte mir irgendwie Schlagzeilen vorgestellt wie: „Apotheken sind den Krankenkassen nicht mal 1 € wert!“ Aber ich weiß ja immer alles besser.

Apropos Besserwisser: Wann hat man eigentlich etwas von einer Anpassung der Btm-Gebühren bzw. der Vergütung oder der Rezepturpreise gehört? Im Gegenteil: In einem apotheke-adhoc-Video erklärt Sabine Elsässer, die immerhin in Berlin die ganzen Rezepturseminare sehr nett und kompetent für die Kammer macht, diesmal weniger kompetent, dass für die meisten Rezepturen fünf Minuten völlig ausreichend sind und eine weitere Kollegin aus einer Rotkäppchen-Apotheke, dass ebenfalls für die meisten Rezepturen 5 € Vergütung völlig genug sind.
Wow! Ich habe, seitdem ich das Video gesehen habe, neue Minderwertigkeitskomplexe, denn für 5 € bekomme ich höchstens eine Flasche Rotkäppchen und eine Depression, weil ich auch nach mehr als 20 Jahren Berufserfahrung weder eine halbwegs ApBetrO-gerechte Rezeptur in 5 Minuten und damit auch nicht für 5 € schaffe! So lange der Kenntnisstand in BWL auf diesem Level ist, brauchen wir öffentlich keine Forderungen zu stellen!