Skandal im Sperrbezirk

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Nur diesmal nicht um Rosi, sondern um Thomas. Oder die ABDA. Vielleicht. Oder vielleicht auch nicht. Man weiß es noch nicht so genau … Auf jeden Fall ist der „Spionagefall durch Apothekerlobbyisten“ der Aufreger der Woche und tagelang in aller Munde und Fernsehsender gewesen. Obwohl: gewesen ist leider noch nicht das richtige Wort. Dieses Problem läßt sich nicht mal eben so aussitzen. Dazu ist das Thema samt Emotionen und Neiddebatte (Lobbyisten, gierige Apotheker, dummes BMG) einfach zu „schön“. Den Imageschaden haben wir jedenfalls und ihn bei der Politik und Gesellschaft wieder wett zu machen, wird Zeit, gute Kontakte und Fingerspitzengefühl benötigen, die wir gerade jetzt, wo wir Apotheker ja noch die eine oder andere offene und drängende Forderung haben, absolut nicht haben …

Was ist passiert?
Ganz Genaues weiß „man“ natürlich offiziell noch nicht, denn die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern noch an, aber seit Montag Abend die DAZ-online-Meldung über den Lobbyisten der Apothekerschaft, der einen IT-Maulwurf im BMG für vertrauliche Informationen bezahlt haben soll, über den Bildschirm tickerte, hat sich die Bombenstimmung sowie der (Un-)Kenntnisstand geradezu inflationär entwickelt.

Während „Insidern“ (also jedem Apotheker) eigentlich gleich klar war, dass es kein aktiver und erst recht kein erfolgreicher (Gibt es die überhaupt?) ABDA-Lobbyist sein konnte, der sich da Informationen verschafft hatte, hätte man sich auch die Pharmabranche oder die Hauptstadt-Lobbybüros einiger Großhandlungen oder Kooperationen vorstellen können. Die wirken zumindest immer gut informiert. Aber da sind dann wohl echte Kontakte (z.B. Spahn/Müller wie früher bei Celesio) und nicht schlecht bezahlte am Werken. Also mussten doch eher andere Beweggründe dahinterstecken, denn wenn die ABDA Geld für so einen Misserfolg ausgegeben hätte, gehörte sie aufgelöst! Andererseits: Kommt das dort nicht öfter vor? Der Riesenbringer sind die ganzen Kampagnen ja auch eher selten.

Der nun auch generell angeprangerte Lobbyismus an sich ist allerdings nicht automatisch etwas Schlechtes. Eine Berufsvertretung, die erfolgreich sein will, lebt sogar davon. Und auch eine Regierung, die nur noch Spezialisten, aber keine Basiskontakte mehr hat, braucht auch den (ausgewogenen) Input von außen. Kontakte und Netzwerke sind also Gold wert, aber klar und auf Augenhöhe müssen sie sein und „im Rahmen“ eines gewissen Ehrenkodex und auf jeden Fall des Gesetzes bleiben. Ein Latte Macchiato beim Informationsaustausch, vielleicht noch in netter Umgebung, muss reichen, danach fängt Spionage an. Und Betriebsgeheimnisse gehören da generell nicht hinein …Versteht sich eigentlich von selbst.

Während sich die ABDA generell nicht an Spekulationen beteiligt (und laut „unserem“ Herrn Dr. Bienfait auch keine Überlegungen über Strategien anstellt), sind die Informationen in anderen Medien inzwischen schon sehr, sehr eindeutig. Nicht nur auf DAZ-online, dem „bösen“ Konkurrenz-Medium. Auch die „normale“ Presse wie taz, Spiegel-online, FAZ, SZ oder Berliner Zeitung nennt die Vorgänge ziemlich genau und zumindest einen der Verdächtigen beim Namen: Thomas Bellartz, ehemaliger ABDA-Pressesprecher und lange Zeit mit einer Narrenfreiheit ausgestattet, die ihresgleichen sucht. Erst als der letzten Erhöhung seines Etats um weitere 500.000 € nicht freudig zugestimmt wurde, zog er(?) die Reißleine und verließ die ABDA. Bisher nur erklärt mit der bereits lange geplanten Selbstständigkeit mit der neuen Agentur Neuspree Media… Hier tun sich jede Menge Fragen auf, die nun endlich einer Klärung bedürfen. Wir sind gespannt und hoffen, dass sich die eher gestammelten Worte unseren derzeitigen Vizepräsidenten bewahrheiten, dass die ABDA eine derartige Politik nie gemacht hat, nicht macht und auch nie machen wird. Es ist ja gerade die Zeit für Wünsche…

Traurig genug für uns Apotheker ist auf jeden Fall, dass der ganze Dreck, der jetzt fliegt, an vielen Stellen Flecken hinterlässt. Und auch wenn natürlich die Ergebnisse der Ermittlungen erst einmal abgewartet werden müssen (Wie lange wohl?), klingt ein sich nach Hausdurchsuchungen erhärtender Anfangsverdacht nicht gut. Welcher Politiker (erst recht aus dem BMG) wird sich nach diesen Berichterstattungen jetzt noch für die Apothekerschaft einsetzen? Eine politische Unterstützung für die 1,75 € können wir so wohl jedenfalls abschreiben. Und für den Rest auch. Die Aussage unseres Gesundheitsministers, uns alle nicht unter Generalverdacht zu stellen, ist da schon mehr als wir erwarten können. Wir sollten uns also alle schon mal ganz, ganz warm anziehen! Draußen herrschen Minusgrade!

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