Alle vier Jahre wieder. Die politische Diskussionsrunde auf dem DAT.

Angesichts des „drohenden“ Wahlkampfs der Parteien war diesmal nicht nur Die Linke prominent vertreten. Wie „schön“, dass wir wenigstens alle vier Jahre ernst genommen werden und Ideen und Wünsche platzieren könn(t)en! Und so gab sich zunächst unser Gesundheitsminister die Ehre. Da wir Berliner aufgrund bayerischer Nebelbänke mit fast zwei Stunden Verspätung in München landeten, konnten wir nur noch dem Ende und dem durchaus veritablen, auch von mir nicht erwarteten Applaus seiner Rede lauschen. Aber dem Vernehmen und den Kommentaren nach hat er sich mehr als gut und viel besser als erwartet geschlagen und genau den richtigen oder zumindest bestmöglichen Ton getroffen. Tja, schade, dass in dieser Koalition so viel so schnell gerade auch für die Apotheker schief lief!

Noch mehr Stimmung kam dann in der politischen Diskussionsrunde am Samstag auf. Seit Jahren quasi das (neben den Abenden oft einzige) Highlight des DAT. Hier gaben sich nun außer den Piraten (Warum eigentlich nicht?) wirklich alle die Klinke oder das Mikrofon in die Hand.

Überraschend und unglaubwürdig cremig diesmal die SPD mit Herrn Lauterbach, sicher einem Kandidaten auf ein mögliches Ministeramt. Wie gewohnt mit Fliege, aber leicht derangierter Frisur, lobte er die Apothekerschaft und beschwor neue Vergütungsmodelle und mehr Verantwortung für unseren Berufsstand. Wer ihn nicht kennt, musste begeistert sein! Alle anderen sind eher entgeistert, denn gerade die sozialdemokratische Vergangenheit hat uns Apothekern ja den einen oder anderen existenziellen Schrecken wie Versandhandel, Festbeträge, Filialisierung (nun ja…), Rabattverträge und Krankenkassenallmacht verschafft! Wenn man das dann noch mit dem SPD-Leitantrag zur Schaffung größerer Apothekenstrukturen und den letzten Äußerungen des Kanzlerkandidaten Steinbrück „dekoriert“, bekommt man vor der Arbeitsgruppe, die für Herrn Lauterbach neue Honorierungsmodelle der Apothekerschaft ausarbeitet, schon vor Halloween das Gruseln!

Frau Bunge von Der Linken bekam wie gewohnt Applaus für die „kuschelige“ staatliche Rundumversorgung im real existierenden Sozialismus und ihre gebetsmühlenartige Unterstützung der Abschaffung des Versandhandels. Die FDP machte mit ihrer entsendeten C-Klasse-Politikerin, der Journalistin Molitor wenigstens keine falschen, flachen Bemerkungen.

Geradezu „konservativ“, weil gewohnt gallig, in ihrem Auftreten war dagegen wieder „unsere“ Biggi Bender, die für die Grünen, Ketten und Konsorten und gegen die inhabergeführte Apotheke in den Ring stieg. Danach ist immer wieder gut vorstellbar, dass es für (oder eher gegen) uns Apotheker auch noch schlimmer geht als mit Schwarz-Gelb …

Herr Spahn, CDU, nach adhoc-Umfragen unser „liebster“ und ja eigentlich wirklich konservativer Gesundheitsminister in spe, machte gewohnt deutliche Ansagen und auch aus seiner Verärgerung über die fehlende Innovationskraft des Berufsstandes (ebenso wie die FDP) keinen Hehl. Anders als die SPD, die selbst an uns Apothekern arbeitet, wünscht sich die CDU Vorschläge von uns, die man dann auf Umsetzbarkeit prüfen würde bevor der Apothekenbus abfährt. Auch das ein Wunsch (oder eine Aufforderung), der Jahr um Jahr im Berufsstand verhallt, wenn man das ABDA-KBV-Modell mal nicht mitzählt …

Aus der führenden Standespolitik verabschiedete sich der Wolf mit einer braven oder eher lammfrommen Rede, die zwar alle wichtigen Punkte enthielt, aber nicht mehr jeden vom Hocker oder Stuhle reißen konnte, obwohl ihm die meisten dann doch Standing Ovations boten. Dass oder wie es auch anders geht, zeigt eine entsprechende Rede des Präsidenten der KBV, H. Köhler.

So bleibt wieder einmal der Eindruck, dass man als Apotheker leider nicht die Partei wählen kann, die man als Staatsbürger bevorzugen würde und quasi nur die Wahl zwischen Pest und Cholera hat. Beides kann man überleben, aber nur bei wirklich guter Konstitution …