Wenn ein Pferd tot ist – oder: Warum die ABDA-Strategie falsch ist.

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Die Redensart kennen wir alle: Wenn ein Pferd tot ist, steig ab! Irgendwie logisch: neue Sättel oder Reiter helfen nach dem Exitus nur wenig und selbst ein Elektroschock führt nicht unbedingt zum nächsten Derby-Sieg. Wieso also reitet die ABDA mit der alleinigen Forderung nach Erhöhung der 8,10 € immer noch einen toten oder zumindest mehr als totgeweihten Gaul?

Auf den ersten Blick klingt die nach mehr als acht Jahren (und auf „Wunsch“ der Politik!!!!) erhobene Forderung nach einer Honorarerhöhung ja ebenso notwendig wie plausibel. Und egal, welche Rechengrundlagen man verwendet, die 0,25 € pro Packung nach dieser langen Zeit sind wirklich viel zu wenig. Zumindest, wenn das der einzige verdienstrelevante Punkt wäre.

Ist er aber nicht, denn die Honorierung der Apotheker beziffert sich nicht nur nach der jetzt diskutierten Pauschale, die in der AmPreisV festgelegt wird, sondern sie wird in ganz erheblichem Maße durch die Höhe des Krankenkassenzwangsrabatts beeinflusst, der in diesem Jahr vom Gesetzgeber zugunsten der Kassen erhöht wurde und für das nächste Jahr wieder im Rahmen der Selbstverwaltung zwischen Apothekern und Kassen verhandelt wird! So lange dieser unsägliche Zusammenhang nicht aufgehoben ist, ist jede Honorarerhöhung quasi für die Katz (oder besser: für die Krankenkassen). Oder noch deutlicher: wie gewonnen, so bald zerronnen!

Erstmalig ist für die Neuverhandlung auch ein gewisses Prozedere per Gesetz vorgeschrieben: es müssen Daten „ausgewählter repräsentativer“ Apotheken herangezogen werden, die auch noch eine „wirtschaftliche Betriebsführung“ aufweisen und ein Katalog von Leistungen aus 2011 berücksichtigt werden. Hier sind Streit und ewige Verhandlungen oder Schlichtungen vorprogrammiert. So lange dieser Punkt nicht geklärt ist, werden wir keinen Cent mehr verdienen, egal was wir vorher in Streiks oder Hinterzimmergesprächen vereinbart haben! So verlieren wir mit dieser „Strategie“ nur Vertrauen, Einfluss und Seriosität.

Wir brauchen eine tragfähige, regelmäßige, festen Regeln genügende Anpassung unseres Honorars an einen Preisindex und eine Abschaffung des Krankenkassenzwangsrabatts, der nach Wegfall der Einkaufsrabatte (bzw. Reduktion auf Skontoniveau) durch nichts mehr begründet ist. Wenn die Selbstverwaltung, sprich der DAV, unbedingt noch etwas verhandeln will, dann ein kleines Skonto bei Dekadenzahlung der Krankenkassen. Wir brauchen einen Plan B für die mittelfristige Honorarentwicklung, die uns unabhängiger von der reinen packungsbezogenen Vergütung macht und hin zu einer stärkeren Honorierung von Dienstleistungen führt. Wege sind da, es muss sie jetzt nur jemand einschlagen. Wenn nicht die ABDA, wer dann?