Rabattverträge sinnvoll begrenzen

Unser Antrag zum DAT 2017: Versorgung mit lebenswichtigen Arzneimitteln sichern – Rabattverträge sinnvoll begrenzen

 

Antragstext:

Die Hauptversammlung der deutschen Apothekerinnen und Apotheker fordert die kommende Bundesregierung auf, Rabattvertrags-Ausschreibungen nach § 130a Abs. 8 SGB V bei versorgungskritischen Arzneimitteln (Antibiotika, Zytostatika, BfArM-Liste der Wirkstoffe mit erhöhtem Versorgungsrisiko) per Gesetz für die Zukunft zu stoppen, um die Versorgung mit diesen lebenswichtigen Arzneimitteln nicht durch ausschreibungsbedingte Lieferengpässe zu gefährden.

 

Begründung:

Mit dem AM-VSG hat die Bundesregierung bereits auf die Marktverwerfungen durch die Ausschreibungspraxis reagiert und Rabattverträge bei Impfstoffen gesetzlich gestoppt, denn Impfstoffe als in biologischen Medien produzierte Arzneimittel können nicht adhoc auf den Markt gebracht werden. Ihre Produktionszeit beträgt zwischen 6 und 20 Monaten. Bei Grippeimpfstoffen hat sich die Zahl der Anbieter durch die Ausschreibungen bereits stark verringert, da die Hersteller aufgrund der Rabattverträge ihre Produktion angepasst haben und dadurch die Entstehung von Lieferengpässen gefördert wurde. Vielfach konnte nur durch Ausweichen auf nicht rabattierte Impfstoffe die Versorgung gesichert werden.

 

Auch wenn durch den Stopp der Ausschreibungen der Zytostatika-Versorgung auf Apotheken-Ebene bereits ein grosser Schritt in Richtung bessere Patientenversorgung getan wurde, stehen mit der Umstellung der Rabattverträge auf die Hersteller-Ebene neue Probleme bei Zytostatika bevor. Bei alten und damit patentfreien, für die Versorgung jedoch unverzichtbaren Substanzen (Melphalan, Busulfan, Bleomycin, Vindesin u.a.) würde dadurch das Risiko von Lieferengpässen enorm ansteigen, da es wegen der geringen Marge bei diesen Wirkstoffen nur noch wenige Produktionsstätten gibt, die oft nur außerhalb Europas liegen. Wenn der Ertrag durch Rabattverträge in Deutschland weiter sinkt, wird die Produktion für den deutschen Markt zum Problem, weil derartige globale API-Produzenten verständlicherweise lieber in Länder verkaufen, in denen sie einen besseren Preis erzielen. Daher sind Ausschreibungen bei Zytostatika auch auf Hersteller-Ebene gesetzlich zu unterbinden.

 

Gleiches gilt für Antibiotika. Problematisch ist hier neben geringen Preisen vor allem die Resistenzgefahr. Fällt ein Wirkstoff für die Versorgung aus und es muss auf ein Reserveantibiotikum umgestellt werden, steigt das Risiko der Entwicklung resistenter Keime gegen die Reserve. Da weltweit Resistenzen gegen verschiedene Substanzen zunehmen, fordern Experten bereits seit Längerem neben genereller Zurückhaltung in der Antibiotika-Verordnung einen sparsamen Umgang besonders mit Reserveantibiotika. Rabattverträge bei Antibiotika sind wegen ihres negativen Effekts auf die Produktionssicherheit daher seitens des Gesetzgebers zu unterbinden und unterstützt auch die bereits im AM-VSG erhobene Verpflichtung des G-BA, die Resistenzsituation für Antibiotika bei der Bildung von Festbetragsgruppen zu berücksichtigen.

 

Weiterhin ist auf Rabattvertragsausschreibungen bei Wirkstoffen mit behördlich festgestelltem erhöhtem Versorgungsrisiko zu verzichten. Im Pharmadialog der Bundesregierung wurde vereinbart, dass ein „Jour Fixe“ zum Thema Lieferengpässe unter Beteiligung der Bundesoberbehörden und der Fachkreise eingerichtet werden soll. Dieser findet seitdem regelmäßig statt. Diese Expertenrunde hat eine Liste von versorgungsrelevanten Wirkstoffen mit erhöhtem Versorgungsrisiko erstellt. Sie enthält ausschließlich versorgungsrelevante  Wirkstoffe gegen schwerwiegende Erkrankungen sowie bei hohen Patientenzahlen mit gleichzeitig erhöhtem Versorgungsrisiko. Ein erhöhtes Versorgungsrisiko ist dadurch definiert, dass entweder nur ein Zulassungsinhaber oder nur ein endfreigebender Hersteller oder nur ein Wirkstoffhersteller verfügbar ist. Die Beteiligung der Heilberufler und die Prüfung durch die Zulassungsbehörden stellen die Seriosität und Unabhängigkeit der Liste sicher.

 

Liste unter

http://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Zulassung/amInformationen/Lieferengpaesse/ListeErhoetesVersorgungsrisiko.pdf?__blob=publicationFile&v=3