Der Erklärbär, früher auch Apotheker genannt.

BärDieser Beitrag entstammt im Kern einer Diskussion auf DAZ-online zum „Tagebuch“ vom 14.6.15 über die vermeintliche pharmazeutische Trägheit der heutigen Apotheker, die auch heute schon umsonst oder gegen eine kleine Honorierung stärker pharmazeutisch tätig sein könnten:

 

Dr. Kerstin Kemmritz:

Wir brauchen keine „kleine“ Honorierung, wir brauchen eine echte Wertschätzung unserer Arbeit als Apotheker, was voraussetzt, dass nicht nur Politik und Gesellschaft, sondern zuallererst auch der eigene Berufsstand nicht nur vollmundig in die Zukunft blickt, sondern analysiert und beziffert, womit wir derzeit den ganzen Tag beschäftigt sind.

Wenn man das ernsthaft tut, kann man nicht zu dem Schluss kommen, dass wir zu „träge“ sind, pharmazeutisch tätig zu sein, sondern dass wir derzeit schlicht und einfach mit jeder Menge anderer Dinge beschäftigt werden und zum „Erklärbär“ der komplexen Regelwerke des SGB V mutiert sind, dessen Königsdisziplin, die reibungslose Umsetzung der Rabattver- und Festbeträge auch x Jahre nach ihrer Einführung nicht einfacher oder schneller geworden ist.

Und so arbeiten wir tagtäglich vor allem für die GKV und ermöglichen mit unserer guten „Aufklärungsarbeit“ die milliardenschweren Einsparungen durch Rabattverträge bei halbwegs brauchbarer Compliance, denn Adhärenz kann man das nicht nennen, was wir da erzeugen müssen. Wir erklären Festbetragsdifferenzen, suchen nach Alternativen, überbrücken immer wieder neue Lieferengpässe mit immensem Aufwand, bestellen einzelne Packungen beim Hersteller, wenn die Großhändler ihr Kontingent erschöpft haben oder Poststreiks den Versandhandel behindern. Wir sparen weitere Millionen mit übererfüllten Reimportquoten und übernehmen Organisation und Finanzrisiko („Inkasso“) für den Einzug der Herstellerrabatte, organisieren ohnehin das gesamte Zuzahlungs- und Quittungsmanagement für die GKV, ändern „unklare“ Wirkstoffverordnungen bei Arzneimitteln der Substitutionsausschlussliste, beantragen Genehmigungen selbst für selbstverständliche und mit Vertragspreisen versehene (Kleinst)Hilfsmittel wie Kanülen oder Augenpflaster, fragen um „Erlaubnis“, einen schwerkranken Patienten auch wirklich mit der verordneten Krankenkost beliefern zu dürfen und dokumentieren, archivieren und speichern diesen und anderen (Un)Sinn auch noch dokumentenecht für die Nachwelt! Für all diese Tätigkeiten (und noch viel mehr) gewähren wir dem Großabnehmer GKV auch noch einen Zwangsrabatt von 1,77 € für eine zwar pünktliche, aber nicht unbedingt schnelle Zahlung, jedenfalls nicht, wenn man an unsere eigenen Skontobedingungen denkt!

Wer über AMTS und Medikationsmanagment nachdenkt, sollte das also weniger mit der Trägheit anderer Apotheker verknüpfen, als sich dafür einsetzen, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen und dafür zu sorgen, dass wir neben den GKV-Tätigkeiten auch wieder für das honoriert werden, was wir eigentlich tun wollen: pharmazeutische Beratung und Betreuung!