Ergebnis der Berliner Kammerwahl: Eine hohe Verantwortung!

Sitze2015Sie haben gewählt!

Bei einer leicht gesteigerten Wahlbeteiligung und absolut mehr Wählern konnten mit Ausnahme der Liste 2 (Frau Dunin von Przychowski) alle Listen Stimmen gewinnen. Auch wenn die Liste 3 des amtierenden Präsidenten Dr. Belgardt die meisten Stimmen (und 46,4 %) auf sich vereint, ist die größte Überraschung das hervorragende Abschneiden der neuen Liste 4 unter ihrem Listenführer Dr. Wagner, der für die Apotheker in Wissenschaft, Industrie und Verwaltung aus dem Stand heraus 213 Stimmen erzielt hat, was fünf Sitzen in der neuen Delegiertenversammlung entsprechen würde! Die gestiegene Wahlbeteiligung kommt also vor allem durch die Kollegen zustande, die aus der ApothekeNkammer wieder eine ApothekeRkammer machen wollen!

Da Dr. Wagner als Einzelkandidat ohne Nachrücker jedoch nur einen Sitz besetzen kann, wurden seine Sitze auf die anderen drei Listen verteilt, damit die vom Kammergesetz geforderten 45 Delegierten gestellt werden können. So werden die Stimmen der neu mobilisierten Wähler, die einen Industrie-, Wissenschafts- oder Verwaltungs-Apotheker unterstützen wollten, hauptsächlich an Offizin-Apotheker verteilt und verhelfen der Liste „Offizin-Apotheke“ sogar zur absoluten Sitzmehrheit. Eine hohe Verantwortung, die dem alten und sicher auch neuen Präsidenten dort mitgegeben wird, verbunden mit der Aufgabe, die kleinen demokratischen Lücken im Kammergesetz bzw. der Wahlordnung zu schließen und den Berufsstand vereint in der Delegiertenversammlung zu führen!

  • Ergänzung nach der konstituierenden Sitzung der neuen Delegiertenversammlung am 12.5.15:
    Leider ist sich der Präsident sowie die Mehrheit seiner Liste der Verantwortung und auch Chance nicht bewusst, die das Wahlergebnis darstellt. Eine Beteiligung aller Listen im Vorstand lehnt er ebenso ab wie die angebotene Mitarbeit von Kollegen aus dem Nicht-Offizin-Bereich im Vorstand, denn mit Ausnahme einer Kollegin, die neben ihrer Promotion nur Teilzeit in der Apotheke arbeitet, sind alle Vorstandsmitglieder ausschließlich Offizin-Apotheker aus zwei von vier in die Delegiertenversammlung gewählten Listen. Eine Quotierung der Vorstandssitze oder eine Erweiterung wird ebenfalls von ihm bzw. seiner Liste abgelehnt. Dazu hier mein Kommentar zum Bericht auf apotheke adhoc vom 13.5.15:

„Auch wenn das Ergebnis nach den Vorgesprächen niemanden in Berlin wirklich überrascht hat, bleibt dennoch festzuhalten, dass sich Dr. Belgardt offensichtlich der Verantwortung, die ihm das Wahlergebnis und die von den WIV-Apothekern „geschenkten“ Sitze auferlegt haben, bisher nicht bewusst geworden ist.

Mit der von ihm betriebenen Ausgrenzung kooperationsbereiter Listen und Kollegen, vor allem auch aus anderen Berufsfeldern, aus der Vorstandstätigkeit betreibt er eine unnötige und gefährliche Polarisierung, die sich ein so kleiner Berufsstand wie die Apotheker gerade in der Selbstverwaltung nicht leisten darf! Hier sollte jeder ehrbare Kollege, jede ehrbare Kollegin willkommen sein, die bereit ist, ehrenamtlich mitzuwirken!

So hätte er auch gestern noch die Chance gehabt, seinen Vorstand um zwei Kollegen aus dem Nichtoffizin-Bereich zu ergänzen und so nicht nur die seiner Liste „geschenkten“ Stimmen auszugleichen, sondern auch seinen Worten über gemeinsame Zukunftsaufgaben und Medikationsmanagement entsprechende Taten folgen zu lassen, denn mit Gerrit Herre, Fachapotheker für klinische Pharmazie und stellvertretendem Vorsitzenden des ADKA-Landesverbandes Berlin sowie Dr. Klaus Kreuschner, Ministerialbeamter a.D. haben wir zwei erfahrene Kollegen zur Wahl gestellt, die sich der verschiedenen Belange von Nichtoffizin-Apothekern und vor allem auch des Medikationsmanagements gerne und zuverlässig angenommen hätten.

Durch eine Erweiterung des Vorstands um zwei Kollegen hätte auch niemand aus Dr. Belgardts oder Frau Dunins Liste auf einen Posten verzichten müssen, wenn das das Problem gewesen sein mag. Warum Dr. Belgardt diese Chance nicht genutzt hat, sondern im Gegenteil den Nichtoffizin-Apothekern auch noch mangelndes Enagement nachsagt, wird wie so vieles sein Geheimnis bleiben. Unwidersprochen sollte es nicht stehen bleiben.

Nichtsdestotrotz wünsche ich ihm sowie seinem neu gewählten Vorstand alles Gute und vor allem Ein- und Umsicht in die Verantwortung, in der sie sich als Interessenvertreter der Berliner Apothekerschaft befinden. Selbstverwaltung ist nur stark in der Gemeinschaft.“
Dr. Kerstin Kemmritz

Wir bedanken uns bei allen Kolleginnen und Kollegen, die uns unterstützt und gewählt haben und werden unseren Weg weitergehen. Für mehr Transparenz, mehr praktikable Pharmazie und mehr ApothekeR in der Apothekerkammer! Nicht nur das Wahlergebnis, sondern auch die Zwangsmitgliedschaft verlangen eine besondere Verantwortung beim Umgang mit den anvertrauten Stimmen!

(Lesen Sie dazu auch die Zusammenfassung der Aufgaben der Mitgliedsorganisationen der Standesvertretung aufDAZ-online von Thomas Müller-Bohn vom 1.6.15.)

ErgebnisAKB2015