Master And Servant – Der globale Apotheker-Eid

masterandservant
Bildquelle: Plattencover Depeche Mode

Der Eid des Apothekers. Das klingt irgendwie nach „Eid des Hippokrates“, also nach Augenhöhe mit den Ärzten (endlich!). An sich keine schlechte Idee, kann man damit den ethischen und moralischen Anspruch unseres freien Heilberufs uns selbst und anderen gegenüber deutlich(er) machen als bisher. Kombiniert mit einer edel und gut aussehenden Approbationsurkunde, einer entsprechenden Atmosphäre beim Staatsexamen inklusive feierlicher Kleidung statt H&M-Standard bei Prüfern und Prüflingen und einem dem Mitgliedsbeitrag angemessenen Kammerausweis statt Papierschnipseln zum Selbstausschneiden könnte damit unser Berufsethos und wenigstens unser gefühltes Ansehen durchaus aufgemöbelt werden.

Gut also, dass sich nicht nur unsere deutsche Standesvertretung streckenweise wenigstens in kleinen Schritten einem neuen Selbstbewusstsein zu nähern scheint, sondern auch, dass die globale Version dieser Vertretung, die Federation Internationale Pharmaceutique oder FIP, diesem Thema Zeit und Muße gewidmet hat. Es gibt nichts Dringenderes.

Aber wie wir wissen, kommt nicht immer Sinnvolles aus Europa oder der großen weiten Welt. Nach dem Durchlesen des ersten Entwurfes bin ich jedenfalls ziemlich irritiert und eher an Geheimbündnisse, dark rooms und Swinger Clubs erinnert, passt doch dieser Eid irgendwie gar nicht zu dem oben skizzierten Bild eines selbstbewussten Berufsstandes! Bei Formulierungen wie „Standard menschlichen Verhaltens“ überkommen mich ziemlich seltsame Schauer und Gedanken an glücklicherweise vergangene Zeiten und bei „Wohlbefinden derer, denen ich diene, fördern“ oder „Bedürfnisse derer, denen ich diene, über meine eigenen stellen“ befallen mich selbst als Frau bisher höchst unbekannte, noch nicht wirklich angenehme Gefühle. Auch wenn ich durchaus konservativ sozialisiert bin, mit dem Dienen habe ich`s bisher nicht so. Ein Umdenken könnte mir da anscheinend nicht nur im Privatleben, sondern vor allem auch bei der Berufsausübung neuen Lustgewinn verschaffen!

Ob das Ganze deshalb so devot nach einer klassischen „Master and Servant“-Nummer klingt, weil der Entwurf in Thailand verabschiedet wurde, dem Land der zierlichen Frauen („Gell, Mai Ling?“), die sich gut zum Dienen und Wohlbefinden-Fördern eignen sollen, weiß ich nicht. Aber wenn so die globale pharmazeutische Zukunft aussieht, bürgt sie zumindest in der Pharmazie noch einige Überraschungen, die nicht im Perspektivpapier standen. „Leidbild“ wäre dann wohl doch besser gewesen, jedenfalls wenn man eigentlich keinen Spaß an der „Servant“-Rolle hat.

Ich schau jedenfalls schon mal, ob ich nicht von Halloween noch ein paar Devotionalien übrig habe oder ob ich doch neue Berufskleidung bei Beate Uhse oder Orion bestellen muss. Blöd, dass mein Mann auch Apotheker ist und Ähnliches geloben soll. Da kommen wir dann beim gegenseitigen Dienen wohl irgendwie nicht mehr zusammen. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb der Eides-Entwurf bisher nur ins Deutsche, Spanische und Mongolische übersetzt wurde? Französisch mag eben auch nicht jede(r) …

• FIP: Modell des Apotheker-Eids

• Wikipedia: Der Eid des Hippokrates

• Immer wieder sehenswert: Gerhard Polt und Mai Ling

• Immer wieder hörenswert: Master And Servant von Depeche Mode