Gefährdungsbeurteilung: Nach Coca Cola nun auch Fanta-Schalen auf der Abschussliste!

Fanta
Bildquelle: Kerstin Kemmritz

Coca Cola gilt ja vielen als Inbegriff künstlicher Ernährung, obwohl (oder gerade weil?) sie einst von einem Arzt und Apotheker erfunden wurde. Tja, das waren damals goldene Zeiten, wo man fernab von GMP-Richtlinien und Dokumentationszwängen noch Zeit zum Experimentieren im Notdienst hatte! Trotzdem finden nicht alle Gesellschaftsschichten Coca Cola cool und wahrscheinlich wären auch Professor Glaeske und der NDR nicht glücklich darüber, wenn wir modernen Apotheker nun wieder derartige Getränke erfinden (oder verkaufen) würden. Die „neuen Tricks der Apotheker“ stünden sicherlich sofort im Drehbuch.

Jetzt könnte ich zu einem langen Artikel über Sinn und Unsinn von Tests ansetzen und gerade die Machart der NDR-Pseudo-Dokumentarfilmchen mit unwissenschaftlicher Schnellschuß-Produktbewertung zerreißen, aber das hebe ich mir für einen späteren Newsletter auf. Zurück also zu Coca Cola. Als unphysiologisch geächtet und in fast jedem NaWi-Kurs zur Stromherstellung missbraucht, droht nun möglicherweise auch einem nahen Verwandten des Kunstgetränks das Aus: der Fanta-Schale!

Um die vorletzte Jahrtausendwende vom Prager Apotheker Max Fanta erfunden, der sich im Gegensatz zu seinem amerikanischen Kollegen lieber mit Experimenten zu halbfesten statt flüssigen Darreichungsformen beschäftigte und von Generationen von Apothekern nicht nur benutzt, sondern auch von vielen Apothekerkammern und Expertengremien gegenüber automatischen Rührsystemen empfohlen, steht sie nun als gesundheitsgefährdend am Pranger.

Die Arbeitsgemeinschaft der Pharmazieräte Deutschlands weist jedenfalls in ihrer letzten Resolution noch einmal auf die Gesundheitsgefahren durch Kreuzkontamination und Schadstofffreisetzung bereits bei „milden“ Temperaturen von 70 Grad und Verarbeitung von Säuren hin und fordert die Ausstattung jeder Apotheke mit Glas- und Metallmörsern, die dann der guten alten Melamin-Fanta-Schale den Rang ablaufen und sie aus den hiesigen Rezepturräumen verdrängen könnten.

Viel schlimmer aber ist die Vorstellung, dass wir Apotheker womöglich seit Generationen die Gesundheit der uns Anvertrauten, der wir ja eigentlich dienen sollten (siehe globaler Eid des Apothekers), geschädigt haben, wenn wir beim Wasserbad nicht die Temperatur gemessen oder vergessen haben, neben dem pH-Wert einer Creme auch die Säurestärke der eingesetzten Substanzen zu berücksichtigen! Wie viele Häutchen von Patienten mögen schon geschädigt sein, was wahrscheinlich nur deshalb nicht aufgefallen ist, weil die geringen Konzentrationen an kreuzkontaminierten Wirkstoffen bei der „üblichen“ dermatologischen Schrotschußrezeptur nach dem Motto „Viel hilft viel“ nicht aufgefallen sind. Womöglich werden derartige Salben bei fehlender Kreuzkontamination dann wirkungslos: Das Gute daran ist dann nicht mehr irgendwas Gutes darin!

Meine Melamin-Fanta-Schalen packe ich jedenfalls nur noch in das Schonprogramm des Geschirrspülers. Gleich neben den neuen Glasmörser.

• DAZ: Das Ende der Melamin-Fantaschalen

• APD-Resolution: Pharmazieräte für Glas- und Metallmörser

• BfR: Melaminharz in Geschirr- und Küchenutensilien

• Wikipedia: Berta (und Max) Fanta